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Ein Versuch einer Erklärung...

Fliegenfischen 27. Januar 2016

MEHR INFOS: | FLIEGENRUTEN | FLIEGENROLLEN | FLIEGENSCHNÜRE | VORFÄCHER & BACKING | INSEKTENKUNDE

Fliegenfischer werden von anderen Anglern oft nicht verstanden und nicht selten sogar belächelt wenn sie mit ihren Wathosen bis zur Brust im Fluss stehen und mit loser Leine und langer Rute "da rumwedeln". Daher wollen wir hier hier einmal versuchen den "typischen" Fliegenfischer näher zu erklären. 

Die Methode

Das Fischen mit der Fliegenrute ist für viele die ursprünglichste, natürlichste und schonendste Methode einen Fisch zu fangen. Die Begeisterung für diese Art der Fischerei wächst stetig, auch weil sich fast jeder Fisch mit dieser Angelart überlisten lässt. Der direkte Kontakt über die Schnur und die leichte Fliegenrute bis hin zum Fischmacht den Reiz dieser Methode aus. Sie vermittelt dem Angler ein besonders intensives Gefühl in der Rute, denn er erlebt die ganze Kraft des Fisches bei jeder Bewegung. 

Was steckt hinter dem Fliegenfischen?

Diese sehr alte Methode des Fischfanges geht weit bis in 2.Jahrhundert zurück und stammt vermutlich ursprünglich aus Mazedonien. Laut Überlieferungen soll ein römischer Lehrer dort beobachtet haben, wie Einheimische "gesprenkelte Fische mit Hilfe nachempfundenen, künstlichen Fliegen" gefangen haben. Mit Erfindung des Buchdruckes wurde diese Methode dann im Mittelalter weit verbreitet und fand so, etwa um das Jahr 1800, eine "Wiege" in England. Hier wurde die Methode erst so richtig populär und es bildeten sich ,oft rund um die Adeliegen in den Herrenhäusern, eigene, exklusive Fliegenfischer-Clubs. Aus dieser Zeit haftet wohl heute noch ein wenig das Image des "besserverdienenen Anglers" an uns Fliegenfischern - was natürlich nicht stimmt.   

Nicht wenige Angler die einmal der Fliegenfischerei "erlegen" sind, angeln kaum noch mit anderen Methoden. Das rührt u.a. daher, dass diese Methode sehr spannend ist und uns hier sehr viel Wissen über dass Verhalten der Fische in ihrem natürlichen Lebensraum und deren Nahrungsaufnahme abverlangt. Dieses Wissen wird meist über Jahre aus Erfahrung und Beobachtung gewonnen. In einem kleinen Wald- oder Gebirgsbach muss zudem jeder Schritt und jeder Wurf mit der Fliegenrute wohl bedacht werden um den Fisch fangen zu können. Dazu muss die Insektenimitation der verwendeten Fliege zur momentanen Nahrungsaufnahme und Vorkommen in der aktuellen Jahreszeit passen, sonst bleibt der Fangerfolg aus. Das Überlisten einer Bachforelle (insbesondere einer großen Bachforelle) ist sehr heikel und kann einen Fliegenfischer an den Rand der Verzweifelung bringen. Aus diesen Gründen ist diese Methode so spannend, aber auch gleichzeitig mitunter extrem schwierig auszuüben. Es ist also eine echte Herausforderung - immer wieder auf's Neue - und das faziniert so viele Angler!

Sind Fliegenfischer "arrogant"?

Fliegenfischen in der Gesamtheit zu erklären ist gar nicht so einfach! Es ist ein sehr komplexes Thema das viel Zeit und Ausdauer in Anspruch nimmt. Durch die Intensivität und die ständig neuen Herausforderungen die dem Fliegenfischer alles an Können abverlangt, nimmt der Fliegenfischer den eingentlichen Fang des Fisches immer als etwas ganz Besonderes war, unabhängig der Größe des gefangenden Fisches!

Wenn man einen Fliegenfischer nach seiner Motivation fragt, dann zählt für ihn nicht nur das Fangen des Fisches, sondern vor allem „der Weg dorthin“, wie z.B. der perfekt gelungene Wurf, die richtige Präsentation der Fliege, das Aufspüren und Anwerfen der Fische und der besonders schonende Umgang mit dem Fisch! Die Größe des Fanges spielt daher meist nur eine untergeordnete Rolle - es geht hier um das naturnahe Gesamterlebnis. Damit können viele andere Angler manchmal nur wenig anfangen und auch Außenstehende sehen doch meist "das Angeln" eher als eine Methode schnell einen Fisch zum Essen zu fangen - also als Mittel zum Zweck der Nahrungsaufnahme. Ein Fliegenfischer sieht das meist anders und wird darum oft missverstanden oder aus Unwissenheit sogar Arroganz vorgeworfen.

Was gibt es schöneres als in einem Bach wie hier auf dem Foto zu fischen? Das naturnahe Gesamterlebnis steht beim Fliegenfischem im Fokus:

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Warum ist das Fliegenfischer-Equipment so teuer?

Das Equipment des Fliegenfischers ist in der Anschaffung zunächst sehr kostenintensiv - jedenfalls im Vergleich zu den "normalen Angelgerät". Das liegt in erster Linie daran, dass es bei dieser Angelmethode auf eine sehr hohe Qualität des Gerätes ankommt um Schnur und Fliege auch gut werfen zu können. Eine hohe Qualität hat leider meistens auch einen hohen Preis, daher kommt man um ein gewisses Investitionsvolumen nicht herum. Gutes Equipment bekommt man mittlerweile aber auch heutzutage schon zu erschwinglichen Preisen, daher ist der Mythos des "besserverdienenden Anglers" heute ad acta gelegt. Aber keine Angst vor etwas größeren Summen...das Fliegenfischer-Equipment hält bei pfleglicher Behandlung ein Leben lang.

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Fliegenruten

Fliegenfischen 27. Januar 2016

Die Fliegenruten werden in sogenannte AFTMA-Klassen (herausgegeben 1959 von der „American Fishing Tackle Manufacture Association“) eingeteilt. Die Ruten sind in Fuß (ft) für die Länge angeben und werden in Klassen von #0 - #16 unterschieden. Die # Klassenbezeichnungen beschreiben das optimale Gewicht der Fliegenschnur (auf den ersten 9,15m) für diese Fliegenrute. D.h. mit dem Schnurgewicht "harmoniert" die Rute perfekt. Allerdings muss man leider sagen, dass diese Klassenangaben herstellerbedingt unterschiedlich aufgefasst werden und daher zur Abstimmung von Rute und Schnur nur bedingt taugen. Die ersten Meter der Fliegenschnur haben heutzutage, je nach Verwendungszweck, unterschiedliche Formen, Dicken, Längen und Gewichte. Die Übergänge sind hier fließend, daher kann nie grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass z.B. eine #6er Fliegenschnur von Hersteller "A" auch immer optimal zur #6er Rute von Hersteller "B" passt. Eine genauere und herstellerunabhängige Abstimmung von Rute und Schnur erreicht man nur, wenn die Schnur an Hand der Bedruckung auf der Verpackung nach „Gramm“ bzw. „grains“ ausgewählt wird. Wenn man genau weiß, wie viel Gewicht die Rute verträgt, dann lässt sich so die Kombination sehr gut abstimmen. Wenige Gramm Unterschied machen hier aber bereits einen großen Unterschied im Wurfverhalten aus - daher hilft uns die Tabelle in der Rubrik "Fliegenschnur" für eine Gramm genaue Einteilung!

Foto: 

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Woher weiß ich nun welche Klasse für welchen Fisch geeignet ist? Hier ein kleiner Überblick:

Klasse #0-3:

Diese Klassen sind für die extra feine Fischerei mit der Trockenfliege, Nassfliege oder Nymphe auf Forellen, Äschen und andere kleine Bachbewohner gedacht. Die erwartete Fischgröße liegt eher im kleineren Bereich. Die entsprechenden Ruten erlauben eine extrem sanfte und natürliche Präsentation kleinster Fliegen und Nymphen.

Klasse #4-6:

Diese Klassen sind ebenfalls für die Fischerei mit der Trockenfliege, Nassfliege und Nymphe geeignet. Die erwartete Fischgröße ist allerdings schon größer und entspricht eher größeren Forellen, Saiblingen, Döbeln usw. Die 6er Klasse eignet sich auch bereits schon für die Küstenfischerei mit Streamer bei ruhigem Wetter auf Meerforellen oder Wolfsbarsch.

Klasse #7-9:

Diese Klassen sind für die stärkeren Fische wie Barben, Rapfen oder auch an der Küste für Meerforellen und Meeräschen geeignet. Trockenfliegen und Nymphen werden hiermit meistens nicht mehr geworfen, sondern eher mittlere bis große Streamer. Die Klasse 8-9 eignet sich auch für die Fischerei im Süsswasser auf Hechte oder in tropischen Gewässern z.B. auf Bonefish oder Tiggerfish.

Klasse #10-13:

Diese Ruten werden gerne zum Lachsfang in den nordischen Flüssen verwendet oder beim Fang von Tapone und GTs in tropischen Gewässern. Diese Ruten sind schon mit einer Hand nicht mehr ganz so einfach zu kontrollieren, daher kommen hier bereits so genannte Zweihandruten oder Switchruten (eine Zwischenlösung zwischen „Einhand“ und „Zweihand“) zum Einsatz.

Klasse #14-16:

Diese Ruten werden eigentlich nur noch für das extrem schwere Meeresangeln auf Sailfisch oder Tunfisch verwendet, womit aber die meisten Fliegenfischer nur wenig Kontakt haben werden. Ruten der Klasse 14-16 sind ausschließlich Zweihandruten.

Natürlich sind auch hier die Übergänge in den Klassen wieder fließend. Je nach Einsatzbereich werden auch Zweihand- oder Switchruten in niedrigen Klassen (#6, #5) angeboten...und auch die Rutenaktionen varrieren stark nach Einsatzzweck. Es gibt viele Ruten, die locker eine Schnurkklasse höher vertragen können als angeben...daher auch hier der Hinweis: Schnur probewerfen!

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Fliegenrollen

Fliegenfischen 27. Januar 2016

Die Fliegenrolle dient in erster Linie, ganz einfach gesagt, lediglich als Schnurspeicher für die verwendete Fliegenschnur. Es ist eine einfache Gehäuserolle, meist ohne Übersetzung. Sie bietet nicht die komplexe Technik die z.B. eine moderne Stationärrolle bietet – muss sie aber auch nicht, denn viele Komponenten bedeuten auch gleich ein höheres Gewicht.

Eine Fliegenrolle muss vor allem Eins: Vom Gewicht her möglichst gut zur Rute zu passen! Das Rutengewicht, das Rollengewicht und das Gewicht von Schnur + Backing (Nachschnur) muss so kombiniert werden, dass Alles zusammen ausgewogen ist. Wenn die Kombination entweder zu kopflastig oder zu entlastig ist, wird der Vor- und Rückschwung beim Werfen nicht harmonisch ausgeführt und der Fliegenfischer ermüdet schnell.  Als Faustregel gilt dabei: Wenn man die fertig montierte Rute mit Rolle und Schnur im vorderen Drittel des Griffstückes auf einem Finger gerade balancieren kann – dann ist die Kombination gut ausgewogen.

Je höher die Schnurklasse und die zu erwartenden  Fischgrößen sind, desto besser und ruckfreier muss das Bremssystem arbeiten können. Kleine Rollen für die leichte Fischerei von #0-4 benötigen nicht unbedingt eine Bremse, den Drill können wir gut über den Zug und das Nachlassen über die Schnurhand kontrollieren. Wenn aber z.B. eine Flucht einer großen Meerforelle oder eines Hechtes abgebremst werden muss…dann ist ein gutes Bremssystem wichtig. Besonders wenn es in tropischen Gewässern auf kampfstarke Warmwasserbewohner (GT, Bonefish, Tarpone usw.) geht. Diese Fische schaffen es sehr lange Fluchten hinzulegen, die u.U. bis ins Schnur-Backing führen können. Dann ist eine hoch-qualitative Rolle Pflicht, die starke Beanspruchungen aushält und auch noch ein salzwasserbeständiges Bremssystem haben muss. S.g. Kassettenrollen oder auch gleich mitgekaufte Ersatzspulen lassen sich mit verschieden Schnurtypen bestücken, die ein situationsbedingten Wechsel schnell und problemlos ermöglichen. 

Foto: Fliegenrolle

Rolle

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Fliegenschnüre

Fliegenfischen 27. Januar 2016

Grundlegende Begriffe:

Jetzt wird es etwas komplizierter…! Wie auch bereits unter der Rubrik „Fliegenruten“ beschrieben, werden auch die Fliegenschnüre in sogenannte AFTMA-Klassen eingestuft. Die Klasseneinteilungen beschreiben das Gewicht der Fliegenschnur auf den ersten 9,14 m. Der aufmerksame Leser fragt sich nun „Warum genau 9,14 m?“. Die einfache Erklärung lautet: 9,14 m entsprechen 30'ft und wurden im Jahre 1959 ursprünglich als Normlänge festgelegt. Diese Länge entsprach der optimal ausgezogenen Schnur für den Wurf mit der Fliegenrute. D.h. die 9,14 m Fliegenschnur wurden mit der Rute beim Wurf außerhalb der Rutenspitze beschleunigt und wirkten sich entsprechend auf die Performance und die Balance der Rute aus!  

Heutzutage haben aber die ersten Meter der Fliegenschnur, je nach Verwendungszweck, verwendeter Rutenlänge und Wurftechnik, unterschiedliche Anforderungen und spezielle Eigenschaften zu erfüllen. Daher werden die modernen Schnüre auch mit unterschiedlich langen „Kopflängen und -gewichten" zwischen 7 m bis 15 m hergestellt. Die Unterschiede der Schnurtypen sind somit sehr groß und nicht mehr uneingeschränkt untereinander vergleichbar. Es kann grundsätzlich nicht mehr davon ausgegangen werden, dass z.B. eine #6er Fliegenschnur von Hersteller „A“ auch immer optimal zur #6er Rute von Hersteller „B“ passt. Die AFTMA-Klasseneinteilungen eignen sich heute nur noch als grobe Richtwerte für Standardschnüre.

 


Unterschiedliche Schnurtypen:

Die modernen Fliegenschnüre sind, in Teilen verjüngte und  extra für unterschiedliche Wurfsituationen entwickelte Spezialschnüre, die im Zusammenspiel mit der richtigen Wurftechnik, die Fliege sauber durch die Luft transportieren sollen. Fliegenschnüre werden im Aufbau in vier Grundtypen eingeteilt:


Parallelschnur, Bezeichnung: „L“ (Level)
Doppelt, je am Ende verjüngte Schnur, Bezeichnung „DT“ (Double Taper)
Keulenschnur, Bezeichnung „WF“ (Weight Forward)
Schusskopf,  Bezeichnung „ST“ (Shooting Taper) oder auch "SH" (Shooting Head)

Diese Fliegenschnüre werden zudem „schwimmend (F = Floating)“, „schwimmend mit sinkender Spitze (ST=Sink Tip)“, im Wasser „schwebend (I=intermediat)“ und „sinkend (S = Sink)“ hergestellt.


Ein Beispiel: Eine Fliegenschnur mit der Bezeichnung „WF 8 F“ ist also eine Keulenschnur der AFTMA - Klasse 8, schwimmend.

 


Art und Aufbau:

Früher wurden Fliegenschnüre aus Seide hergestellt und waren sehr teuer. Seidenschnüre werden auch heute auch noch hergestellt aber nur noch von sehr wenigen Individualisten verwendet.

Moderne Fliegenschnüre sind heutzutage aus unterschiedlichen Kunststoffen hergestellt. Sie bestehen aus einem geflochtenem Kern (die „Seele“) und einer Kunststoffummantelung (das „Coating“).

 

Parallelschnüre („L“) werden auf Grund ihrer eingeschränkten Wurfeigenschaften kaum noch gefischt, daher gehen wir hier nicht näher drauf ein.

DT- Schnüre lassen sich bei kürzeren und mittleren Wurfweiten sehr sauber auf der Wasseroberfläche ablegen. Sie eignen sich besonders auf kurze Distanzen zur natürlichen Präsentation der Fliege. DT- Schnüre kann man auf der Rolle umdrehen, wenn die Schnur älter wird und bereits Verschleißspuren ausweist. "Umgedreht" kann man sie noch einmal eine ganze Zeit lang weiterfischen. Bei einer nur einseitig verdickten WF geht das dagegen nicht.

 

 

WF- Schnüre haben durch ihre vordere Verdickung (dem „Belly“) wiederum andere Vorteile. Das „Belly“ sorgt im Abrollen ebenfalls noch für eine einigermaßen gute Präsentation der Fliege. Durch den dicken vorderen Teil der Schnur lassen sich aber noch deutlich höhere Wurfweiten erzielen. Sie ist daher heute der gängigste Schnurtyp. WF-Schnüre gibt es in vielen verschiedenen Ausführungsvarianten mit unterschiedlichen Keulenlängen. Diese variieren je nach Einsatzzweck. Schnüre mit kurzen, schweren Keulen unter 10m kommen schon einem Schusskopf ziemlich nahe und lange Belly’s dem Abrollverhalten einer DT-Schnur. Der Hauptteil der Fliegenschnur (die „Runningline“) sorgt in erster Linie für den Transport des vorderen Teils der Schnur inkl. Vorfach. Sie muss möglichst gut durch die Ringe gleiten und zudem Einiges aushalten können.

 

Der Schusskopf ("ST“ / "SH" ) ist im Grunde nach nur eine schwere Keule ohne die zusätzliche Hauptschnur („Runningline“) hinten dran. Hier muss die „Runningline“ zusätzlich mit eingeschlauft werden. Der große Vorteil eines Schusskopf-Systems ist daher die Flexibilität. Ich kann bei wechselnden Bedingungen also schnell reagieren und mich der örtlichen Situation anpassen. Wechselt der Wind an der Küste oder will ich eine tiefe Rinne in einem Fluss ausfischen – der Schusskopf ist schnell getauscht und bietet so eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Oft lassen sich die Fliegen an den Schussköpfen allerdings nicht ganz so sauber präsentieren wie an Keulenschnüren. Daher macht z.B. die Fischerei mit der Trockenfliege an einem Schusskopf-System keinen Sinn. Vielmehr eignen sich Schussköpfe beim Fischen mit dem Streamer auf lange Distanz oder bei sich ständigen verändernden Bedingungen, und immer da wo es nicht unbedingt auf eine saubere Präsentation der Fliege ankommt.

 

 


Schnurgewichte und -klassen:

 

Nun ist es leider so, dass es bei den Herstellern von Ruten und Schnüren keine einheitlichen Vorgaben gibt. Manche Schnüre fallen von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich aus, obwohl die gleiche Schnurklasse draufsteht. Eine verpflichtende, normgerechte Einteilung für Kopflängen und -gewichte gibt es leider nicht. Oftmals stellt sich erst nach dem Kauf einer Schnur heraus, dass die verwendete Rute mit einer Schnurklasse höher besser harmoniert hätte, als nach der AFTMA – Klasse angegeben. Hier ist eine sachkundige Beratung vor dem Kauf sehr viel wert. Wer schon erfahrener ist, der sollte mit der gewählten Rute mehrere Schüre zur Probe werfen (gute Händler ermöglichen das ohne Schwierigkeiten). Für Anfänger werden oft komplette, auf einander bereits abgestimmte, „Set’s“ eines einzelnen Herstellers angeboten.  Wer dennoch seine Fliegenschnur, ohne zuvor Probe zu werfen, von einem anderen Hersteller kaufen möchte, der sollte die Schnur nach dem angegebenen Kopfgewicht in Gramm bzw. Grains aussuchen. Das ist auf der Verpackung aufgedruckt und somit wesentlich genauer! Dazu muss man natürlich wissen, welches Kopfgewicht für meine Rute ideal ist. Diese Daten kann der Händler oder notfalls der Rutenhersteller direkt liefern.

 

Die folgende Tabelle zeigt die Klasseneinteilung einer Standardschnur in Zusammenhang mit Gramm bzw. grain!

 

 

Ein großer Nachteil dieser Gewichtsklassifizierung für Standard-Fliegenschnüre (die vorwiegend für kleinere Flüsse oder Bäche konzipiert wurden) liegt in den höheren Schnurklassen für die Verwendung von kurzen Keulen oder Schussköpfen, die gerne an der Küste oder an größeren Flüssen geworfen werden. Mit den modernen Ruten kann man wesentlich größere Schnurlängen werfen, was gerade zum Meerforellen fischen oder auf Lachs und Steelhead notwendig ist.

Da das Gewicht pro Meter Schnur von Klasse zu Klasse aber logarithmisch ansteigt, hat dies besonders in den hohen Schnurklassen große Auswirkungen auf die Wurf-Performance. Man muss dabei verstehen, dass die Wirkung des Wurfgewichtes stark von der Schnurlänge abhängt, auf der das Gewicht verteilt ist. Je länger die Schnur also ist, desto höhere Gewichte kann man mit einer Rute noch werfen. Es kommt also immer auf den eigentlichen Anwendungsbereich an und was der Hersteller für die Rute ursprünglich als Schnur vorgesehen hat. Hat er die Rute z.B. für eine Longbelly Schnur (lange Keule) entwickelt und man wirft damit aber einen kurzen Schusskopf, kann es sein, das der Werfer in solchen Situationen meist eine höhere Schnurklasse wählen muss, als in der seine Rute ursprünglich klassifiziert ist. Bei der Verwendung von kurzen Keulen in gleicher Klasse kann dann das Gewicht nicht ausreichen um die Rute optimal aufzuladen und die Schnur „abzuschießen“.

Im Jahr 2004 wurde daher ein neues Klassifizierungssystem (AFFTA), zunächst bezogen auf Spey- und Zweihandruten für die Lachsfischerei im Fluss, veröffentlicht. Dieses neue System klassifiziert folgende Speyline- bzw. Schusskopfgewichte, welches sich auch für moderne Einhandschnüre übertragen lässt:

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Fliegenvorfächer u. Backing

Fliegenfischen 29. Februar 2016

Die Schnur fürs Fliegenfischen besteht im Aufbau aus dem “Backing”, der “Fliegen-Hauptschnur“ (WF, DT, usw. - siehe Rubrik "Fliegenschnüre"), dem Vorfach und der Vorfachspitze ("Tippet")!


Das „Backing“ oder „Nachschnur“ besteht meist aus einer geflochtenen Schnur aus mehreren starken Kunststofffasern. Diese Kunststofffasern sind sehr dehnungsarm und werden im Herstellungsprozess rund zusammen geflochten. Das Backing wird danach mit einer Versiegelung gegen eindringendes Wasser versehen. Sie dient hauptsächlich als „Schnurreserve“, falls ein starker Fisch einmal die komplette Hauptschnur von der Rolle zieht, was aber zugegebener Maßen im Süßwasser eher sehr selten vorkommt. Im Süßwasser und den unteren Schnurklassen braucht man das Backing meist nur um den Rollenkern aufzufüttern, damit die Hauptschnur nicht in so engen Klängen auf der Rolle liegt (verhindert ein Verdrallen der Schnur). Wenige Meter Nachschnur reichen dann im Normalfall völlig aus. Im Salzwasser, wenn großen Räubern nachgestellt wird, benötigt man dagegen sehr wohl genügend Backing als Reserve. 100 – 150 m sind gerade in den tropischen Regionen nicht zu viel! Geflochtenes Backing ist nicht sehr teuer, daher gilt „lieber ein bisschen mehr, als zu wenig aufspulen..!“. Natürlich aber nur so viel, damit die Hauptschnur und das Vorfach noch genügend Platz auf der Rolle hat. 

 


Das „Vorfach“ an der Hauptschnur ist in erster Linie für das saubere Ablegen der Fliege verantwortlich. Daher werden bevorzugt konisch verjüngte Mono-Schnüre verwendet. Durch die Verjüngung zur Spitze hin wird erreicht, dass das Vorfach beim Wurf sauber und gleichmäßig abrollt und so die Fliege sanft auf der Wasseroberfläche auftrifft.

Verjüngte, knotenlos gezogene Vorfächer sind allerdings verhältnismäßig teuer. Viele Fliegenfischer gehen daher einen kostengünstigeren Weg und binden sich ihre Vorfächer aus unterschiedlich dicken Schnurteilen selbst zusammen. Diese „geknoteten“ Vorfächer aus 5-6 Schnurstücken verschiedener Durchmesser haben aber einen großen Nachteil – sie haben Knoten!!! Knoten sind Schwachstellen und die Schnur verfängt sich häufiger einmal beim Abrollen (gerade bei Wind) ... oder Algen bleiben an ihnen hängen! Im Internet gibt es viele Anleitungen zum selber Binden von Vorfächern. Wer ein Vorfach selber binden möchte, einfach einmal eine Suchmaschine bemühen.

Gezogene Vorfächer haben viele Vorteile gegenüber der geknoteten Variante. Es bleibt nichts an Knoten hängen und das Vorfach hat kaum Schwachpunkte. Ein solches Vorfach rollt zudem wesentlich gleichmäßiger ab, als ein geknotetes Vorfach. Wer es sich also leisten kann kauft sich ein knotenlos, verjüngtes Vorfach (kostet mal eben so um die 5,-€ pro Stück). Damit das „Luxusvorfach“ nicht bei jedem Fliegenwechsel durch das anknoten der Fliege immer kürzer wird, wird das Vorfach vorne an der Spitze nochmals verlängert. Meist kommt ein kurzes „Verbrauchsstück“ (z.B. 20-50cm unsichtbares Fluocarbon) zum Einsatz, welches entweder direkt an die Vorfachspitze geknotet oder per Pitzenbauerring (ein kleiner Metallring) angebunden wird. Fluocarbon lässt sich in dünnen Stärken nicht gut mit einer monofilen Schnur verknoten, daher verwendet man häufig diese kleinen Ringe. Das hat auch den Vorteil, dass das eigentliche Vorfach nie kürzer wird und man immer neue "Verbrauchsstücke" anbinden kann.

Fliegen-Vorfächer werden in der Länge mit „ft“ angegeben und mit einem „X-Code“ bezeichnet. Der X-Code beschreibt die Spitzendicke („Tippet“) wo die Fliege angebunden wird und das Ende („Butt“) wo die Schlaufe zum Einschlaufen an die Hauptschnur angebracht wird - siehe Tabelle:

 (Tabelle zum Vergrößern bitte anklicken)

Die Vorfachlänge wählt man immer situationsbedingt aus. Wenn das Wasser trüb ist, reichen kurze Vorfachlängen um die 2 m (in kleinen unzugänglichen Bächen z.B. auch mal nur 1m ). Je klarer das Wasser ist, desto länger muss das Vorfach sein um die Scheuchwirkung der dicken Hauptschnur zu reduzieren. Vorfachlängen von über 4m sind dann nicht unüblich. Je länger das Vorfach aber ist, umso schwieriger ist allerdings auch das Vorfach sauber abzulegen – gerade bei Wind! Eine durchschnittlich gute Wurfperformance erreicht man mit Vorfächern in Rutenlänge. Nach dieser „Faustregel“ (Rutenlänge = Vorfachlänge) werden z.B. auch schon fertige verjüngte Vorfächer im Handel angeboten.

 (Tabelle zum Vergrößern bitte anklicken)

 


Und was sind Polyleader? Ein Polyleader ist eine Art zweites Vorfach. Er wird zwischen einem kurzen Stück monofilen Vorfach (z.B. Fluocarbon) und der Hauptschnur angeknotet. Polyleader ermöglichen dem Fliegenfischer eine gewisse Flexibilität um schnell auf unterschiedliche Gewässersituationen reagieren zu können. Polyleader gibt es in verschiedenen Längen und schwimmenden bzw. sinkenden Ausführungen.

 floating = schwimmend

hover = extra leicht sinkend
intermediate = leicht sinkend
slow sinking = langsam sinkend

fast sinking = schnell sinkend
super fast sinking = extra schnell sinkend

ultra fast sinking = ultra schnell sinkend

Je nach Herstellervorgaben (die natürlich wieder unterschiedlich sind) werden die Polyleader in verschiedenen Sinkraten (Sekunden pro Tiefenmeter) angegeben. Die Farbe zeigt ebenfalls die Sinkraten an…je dunkler, desto tiefer sinkt der Polyleader ein.

Sinkende Polyleader lassen sich aber wiederum auch nicht sehr gut werfen, daher wird auch das restliche Vorfach (die Spitze) so kurz wie möglich eingesetzt.  

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