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Sicherheit auf See

Wenn man mit dem Boot auf dem Wasser unterwegs ist, ist die „Sicherheit“ ein großes Thema. Gerade in Norwegen, aber auch in der heimischen Ost- und Nordsee, muss diesem Thema eine besondere Bedeutung entgegengebracht werden. Jedes Jahr verunglücken deutsche Angler mit ihren Motorbooten und nicht selten kommt es dabei zu tödlichen Unfällen. Viele Leute handeln oft sehr fahrlässig und halten sich an so gut wie keine Regeln, weil sie die Gefahr einfach unterschätzen oder eine auftretende Notlage einfach ignorieren.

Genau wie beim Autofahren auf der Straße gibt es auf dem Wasser Regeln zu befolgen. Wir können nur dringend davor warnen die folgenden Ratschläge, die wir hier nachfolgend aufgelistet haben, zu ignorieren. Wer meint, sich über die grundsätzlichen Erfordernisse für die eigene Sicherheit auf See herabsetzen zu können, spielt fahrlässig mit seinem Leben! Eine gute Sicherheitsausrüstung auf dem Boot gehört ebenso zum Angeln, wie die gute und teure Rute, Rolle oder Schnur.

 

Folgend nun ein paar Ratschläge:

 

Alkohol:

Alkohol trinken bzw. alkoholisiert auf dem Boot zu sein, ist, nicht nur das es gefährlich und einfach „dumm“ ist, zudem auch noch strafbar! Es drohen, gerade in Norwegen, empfindliche Strafen wenn man mit Alkohol im Blut auf dem Wasser erwischt wird. Wenn ihr im Hafen seit, könnt ihr gerne ein Bier trinken, aber auf dem Wasser hat Alkohol NICHTS zu suchen!

 

Wetterverhältnisse

Bitte immer das Wetter beobachten! Viele Leute unterschätzen das Wetter! Auf dem Wasser kann sich das Wetter innerhalb von ein paar Minuten komplett ändern (kein Scherz!). Es ist daher immer sehr wichtig, den Wind, die Wasseroberfläche und den Himmel zu beobachten und sich im Vorfeld genau bei den Wetterdiensten über die Vorhersage zu informieren. Unter der Rubrik „Wind u. Wellen“ haben wir die Erkennungsmerkmale aufgelistet. Sobald ihr das Gefühl habt, dass Wetter ändert sich zu euren Ungunsten, fahrt sofort (!!!) in den nächsten Hafen. Viele überschätzen auch ihre „Bootsfahrkünste“. Bei schlechtem Wetter – geht immer auf Nummer sicher…es gibt auch schöne (und vor allem richtig gute) Uferangelplätze, wo ihr sicher euren Fisch fangen könnt.

 

Richtige Bekleidung

Die richtige Kleidung! Immer wieder gesehen und mit Kopfschütteln quittiert: Bootsangler, wo man meint, dass sie gerade vom Sofa aufgestanden sind…! Ob Sommer oder Winter, geeignete Kleidung auf dem Wasser ist sehr wichtig. Im „Norwegen-Spezial“ haben wir schon etwas über die richtige Bootsbekleidung geschrieben. Wetterfeste Kleidung (Regen-, Wind- und Wärmeschutz, auch im Sommer) und dazu vernünftige Schuhe (keine Gummistiefel) sind einfach Pflicht! Wer in Jogginghose  (auch wenn sie bequem ist) und T-Shirt im Boot sitzt, hat bei einem Wetterumschwung ganz schlechte Karten.  Eine regendichte, warme Jacke und Überhose muss immer dabei sein, auch im Sommer! In Norwegen reicht selbst eine „Regenausrüstung“ nicht aus. Norwegens Küste ist nicht der Dorfteich bei euch zu Hause, sondern der eiskalte Nordatlantik, denn auch im Sommer steigen die Temperaturen in Mittelnorwegen kaum über 10° Grad. In Norwegen ist daher ein „Floating-Anzug“ (Schwimmhilfe) für uns Angler eine sehr sinnvolle Investition! Er schützt nicht nur vor Nässe sondern hält auch besonders gut warm. Zudem bietet er in seiner Hauptfunktion Auftrieb, falls ihr ins Wasser fallt. In Kombination mit einer Rettungsweste hilft euch ein zertifizierter Floater nach EN 393 leichter über Wasser zu bleiben bis Hilfe eintrifft.

 

Rettungswesten

Das Tragen einer Rettungsweste auf dem Boot ist Gesetz! Auch schon oft gesehen: Rettungswesten als Sitzkissen zu nutzen…ist zwar bequem, nützt aber recht wenig beim über Bord gehen…! Dafür gibt es Schaumstoff-Sitzkissen für ein paar Euro im Baumarkt…! Also: Rettungswesten immer anlegen, auch im Sommer! Es gibt unterschiedliche Rettungswesten mit 50N (Newton), 100N, 150N, und 275N Auftrieb für bestimmte Gewässertypen. Wir raten immer zu einer 275N Weste, sie ist für das Meer geeignet und hält auch schwere Menschen sicher über Wasser. Ob Automatikweste (selbstaufblasend bei Wasserkontakt) oder Feststoffweste (mit Schwimmkörpern) ist Geschmackssache. Eine Automatikweste ist bequemer aber muss nach einiger Zeit gewartet werden (Auslösetablette austauschen). Einen Nachteil bieten Rettungswesten allerdings in Zusammenspiel mit dem Floater. Durch den Eigenauftrieb des Floaters, kann auch die 275N Weste manchmal die Drehung in die Ohnmachtssichere Lage nicht vollziehen. Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, kauft sich einen Floater der „neuen Generation“…mit integrierter 275N Rettungsweste. Diese Floater haben anders angeordnete Auftriebskörper und funktionieren, bei entsprechender Wartung,  in der Regel immer zuverlässig, sind aber im Kauf sehr Kostenintensiv. Jeder muss daher für sich selbst entscheiden, wie viel ihm seine Gesundheit wert ist.

 

Handy am Mann (Frau)

Das Wichtigste zuerst: Jeder (und wirklich Jeder) der Bootsbesatzung hat ein aufgeladenes und wasserdicht verpacktes Handy mit den Notfallnummern am Mann! Sollte einer von euch über Bord gehen, kann der Andere sofort Hilfe rufen. Und bitte immer darauf achten, dass die Handys aufgeladen sind.

Bitte die folgenden Notrufnummern immer ganz oben im Handy abspeichern:

Notruf International für Europa (Vorwahl):   (0049) 421 53 68 70    in Deutsch (Seenotzentrale in Bremen)

Notruf Norwegen (Vorwahl):    (0047) 112   in Englisch, Norwegisch

 

Notfallausrüstung

Wir hoffen natürlich, dass ihr immer sicher wieder im Hafen ankommt und nie einen Notfall haben werdet. Trotzdem sollte pro Boot immer ein kleines Notfallset an Bord sein (ist bei Mietbooten allerdings nicht selbstverständlich). In einem „Erste-Hilfe Kasten“ aus dem Autofachversand (für ein paar Euro) sind alle wichtigen Dinge (Pflaster, Verband, Notfalldecke usw.) drin die man auch auf dem Boot braucht – also mitnehmen! Dazu sollte man immer ein wenig Handwerkzeug  dabei haben, falls mal etwas schnell an Reling oder Motor repariert werden muss (ein Seitenschneider hilft auch bei einem Haken im Finger). Ein stabiles 10m Seil + zwei Karabiner sollten auch zur Pflichtausrüstung gehören, falls man mal ein anderes Boot abschleppen muss.

 

Sinnvolle Zusatzausrüstung

Neben der o.g. Notfallausrüstung empfehlen wir auch noch folgende Ausrüstungsgegenstände mitzunehmen: Einen Anker und einen Fender (ist oft auf dem Boot vorhanden), einen Driftsack der das Abtreiben bei einem Motordefekt verlangsamt (Bauanleitungen im Netz oder Kauf bei einem Fachhändler), eine kleine Strickleiter um evtl. wieder in das Boot zu kommen (nicht alle Boote haben eine Badeleiter) und evtl. Signalmunition. Bei der Signalmunition sind allerdings die gesetzlichen Vorschriften des Landes zu beachten. In Norwegen dürfen z.B. einige Signalfackeln oder Leuchtspurgeschosse nicht eingeführt werden, daher diesbezüglich bitte vor der Einreise genau beim Zoll informieren.

 

Navigationsgeräte

Detaillierte Seekarten (wasserdicht einlaminiert) sind Pflicht. Dazu sollte ein GPS-Gerät und ein Echolot (zeigt gefährliche Untiefen an), oder noch besser ein Kartenplotter (Kombigerät aus Echolot und GPS), mitgeführt werden. Ein Kartenplotter ist sicherlich das nützlichste Gerät für die sichere Navigation und ist mittlerweile bei allen seriösen Vermietern Standard. Mit ihm findet man auch bei schlechter Sicht immer wieder sicher in den Hafen zurück. Allerdings funktioniert das Gerät nur mit Strom, bei leeren Akkus guckt man in die „Röhre“…! Also, zur Sicherheit, immer Seekarten in Papierform mitnehmen und  wer hat, einen Kompass…der zeigt auch ohne Strom die richtige Richtung an (wenn er nicht gerade auf einem Magneten liegt!

 

Ausrüstungstipps

Hier noch ein paar Tipps zur Ausrüstung, die zwar nicht unbedingt notwendig, aber doch sehr sinnvoll sind:

 

Wenn man mit dem Boot unterwegs ist, dann ist man meist den ganzen Tag auf dem Wasser. Was also tun, wenn es „drückt“ (das kleine und große Geschäft). Für’s „Kleine“ sollte man sich ein ca. 1m langes KG-Rohr (Durchmesser 50 mm sollte reichen…!) mitnehmen. Das hat den Vorteil, dass man so weit genug von der Reling weg steht und keine „waghalsigen Manöver“ (halb kniend am Bootsrand) vollziehen muss und so auch nichts daneben geht. Man verliert, gerade bei Wellengang, schnell das Gleichgewicht und fällt vorne über ins Wasser. Es gibt ein Spruch, in dem viel Wahrheit steckt: „Die meisten Toten werden mit offenen Hosenstall geborgen…!“. Für’s „Große“ hilft eigentlich nur den nächsten Hafen anlaufen…oder der Pilkeimer. Die Pilker sollten aber vorher rausgenommen werden, sonst muss der Kollege mit dem Seitenschneider die Haken aus dem Allerwertesten lösen…und das will wirklich Keiner!

 

Sollte doch mal eine Person über Bord gegangen sein, ist es sehr wichtig für die Anderen ruhig und besonnen zu reagieren (der Kollege im Wasser ist es in der Situation definitiv nicht). Ist es auf Grund der Wetterbedingungen fraglich ob der Verunglückte selbst geborgen werden kann, sollte man zur Sicherheit sofort einen Notruf absetzen. Jeder der schon mal versucht hat einen Kollegen mit vollgesogenen Klamotten (und/oder Floater), selbst zu bergen, weiß wie schwierig das ist. Auch zu Zweit hat man da große Probleme. Treibt der Verunglückte im Wasser, sollte man immer einen großen Bogen fahren und dann längstseits den Kameraden anfahren (sonst treibt das Boot auf den Verunglückten zu oder der Verunglückte auf das Boot). Kurz vor dem Erreichen wird der Motor gestoppt und dem Kollegen ein Seil (s. o.), möglichst mit Fender dran, zugeworfen. Den Verunglückten dann immer heckseitig ins Boot ziehen, niemals seitlich wegen der Kentergefahr. Vorne ist die Reling zu hoch, da kommt eh Keiner rauf aber hinten kann man dann die Strickleiter (s.o.) ins Wasser lassen oder auch ein Seil mit einer Schlaufe, damit der Verunglückte selbst mithelfen kann sich zu retten. Sollte der Kollege schon zu schwach sein, kann man auch die Hebevorrichtung des Motors (Schalter: UP/DN) nutzen. Den Motor unbedingt immer bei der Bergung AUS stellen. Der Kamerad im Wasser kann dann mit seinen Beinen über den Finnen der Schraube den Schaft umklammern und so angehoben werden – der Motor der Hebevorrichtung ist stark genug dafür.

 

Gegen leichte Übelkeit hilft meist eine Reisetablette aus der Apotheke oder Ingwer. Die Inhaltsstoffe des Ingwers (gibt es auch als Lutschtabletten) helfen von Natur aus gegen Schwindel und Übelkeit. Sollte ein Kollege auf dem Boot richtig seekrank werden, hilft nur fester Boden unter den Füßen, d.h. den nächsten Hafen anlaufen. Alkohol (s.o.), aber auch z.B. Kaffee, verstärken die Symptome der Seekrankheit noch, am Besten ausreichend Wasser (kein Meerwasser) trinken. Bevor man rausfährt, sollte man im Magen eine gute Grundlage schaffen (aber nicht zu viel Fettiges essen). Bei ersten Anzeichen von Unwohlsein, immer gen Horizont blicken, nicht auf den Boden des Bootes oder in den Himmel.

 

Niemals, wirklich niemals, ohne vollen Reservekanister losfahren. Der Rückweg kann manchmal länger dauern als geplant (Wetterwechsel) oder man vergisst einfach bei der Vielzahl der tollen Angelstellen, dass der Tank nur eine gewisse Größe hat oder vom Vorgänger schon halb leergefahren war…! Der erste Schritt ist daher (VOR dem filetieren der Fische), nachdem man wieder im Hafen eingelaufen ist: Reservekanister und Tank für den nächsten Tag auffüllen! Eine ordentliche Arbeitsteilung schafft hier allseitige Zufriedenheit.

 

Wenn sich Wasser im Boot ansammelt (Regen, überschlagene Wellen) dann kann man das Wasser schnell wieder loswerden, wenn man den Lenz-Stöpsel (befindet sich hinten im Boot) öffnet. Allerdings funktioniert das nur bei der Fahrt. Bleibt man bei geöffneten Stöpsel stehen, nimmt das Wasser den umgekehrten Weg…dann kriegt man schnell nasse Füße oder schlimmer (es sollen schon Boote bei geöffneten Stöpsel gesunken sein)! Es gibt auch Boote mit Selbstlenz-Funktion…da ist ein manuelles lenzen nicht notwendig.

 

Wenn man mit mehreren Booten unterwegs ist, kann die Kommunikation untereinander auch über „Walky-Talky“ Handfunkgeräte geführt werden. Das funktioniert wunderbar, wir haben immer zwei einfache Geräte von unseren Kindern mit 2 km Reichweite dabei.