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Angelgerät - Was muss mit?

Wenn man in Norwegen auf dem Meer unterwegs ist braucht man natürlich auch das passende Gerät: Was muss also mit, damit man erfolgreich fischen kann? Wie bei der Bekleidung richtet sich die Geräteauswahl natürlich in erster Linie nach der Urlaubsregion bzw. dem Zielgebiet und den zu erwartenden Fischgrößen. Und auch da gibt es wieder grundsätzliche Utensilien die standardmäßig dabei sein sollten:


Ruten und Rollen:

Eine Sache gleich vorweg: Eure „leichte Süsswasserausrüstung“ für die deutschen Seen und Flüsse könnt ihr gleich Zuhause lassen, mit Ausnahme vielleicht der stabilen Hechtrute! Zweitens: Eure Ausrüstung sollte schon ein gewisses Maß an Qualität mitbringen, um die dauerhafte Belastung durch den ganztägigen Gebrauch über die gesamte Urlaubszeit standhalten zu können. Die 20,-€ Süsswasserrolle wird durch die Belastung des Salzwassers und die großen Krafteinwirkungen auf der Spulenachse recht schnell ihren Dienst quittieren. Eure leichte Zanderrute wird brechen, wenn der erste große Dorsch einsteigt und ihr ihn an die Oberfläche pumpen müssen...! Wenn ihr das erste Mal nach Norwegen fahrt, kommt ihr leider um eine gewisse Investitionssumme für neues Tackle nicht drum herum. Aber tröstet euch: Wenn ihr einmal in Norwegen angeln wart und euch mit dem „Norwegenvirus“ infiziert habt...kommt ihr immer wieder – versprochen! 

Zurück zur Geräteauswahl: Studiert zuerst euer Zielgebiet und die dort vorkommenden Fische bzw. Fischgrößen bevor ihr etwas im Laden kauft! Überlegt euch eure bevorzugte Angelart (Spinnfischen, Pilken, Tiefseefischen usw.) und geht erst DANN in den nächsten Angelladen. Lasst euch erst im Laden beraten, NACHDEM ihr zuvor selbst ein wenig recherchiert habt, welches Gerät ihr überhaupt im Urlaubsgebiet benötigt. Oft haben die Verkäufer in dem Angelladen um die Ecke selbst noch nie in Norwegen geangelt (geschweige denn in eurem Urlaubsgebiet) und dementsprechend haben sie auch keine wirklichen guten Tipps auf Lager. Es gibt viel „unnützen Schrott“ auf dem Markt den ihr gar nicht benötigt! (Tipp: Finger weg von den s.g. „Norwegenkombos“ bestehend aus Rute, Rolle und Schnur!). 

Und wie kommt ihr jetzt an die Infos über ihr Zielgebiet und das benötigte Gerät? Ganz einfach: nutzt die Printmedien und das Internet. Es gibt viele Bücher und Fachzeitschriften über das Angeln in Norwegen und deren Regionen. Besser noch, für detaillierte Fragen wendet euch sich an die deutschsprachigen Internetforen: www.norwegen-angelforum.net, www.norwegen-angelfreunde.de und www.anglerboard.de. Hier kriegt ihr immer und schnell für alle Zielgebiete die aktuellen Infos, Reiseberichte und (freundlich) gestellten Fragen, auch von Anfängern, werden immer gerne beantwortet! Diese Tipps sind besser als jedes Buch oder jede Zeitschrift weil sie brandaktuell und unabhängig der Werbebranche sind – schaut dort rein und stellt Fragen! 


Als Grundausstattung haben sich in etwa 4 Gerätekombinationen bewährt, die wir nachfolgend einmal grob aufgelistet haben. Natürlich braucht ihr nicht alle 4 Kombinationen in jedem Zielgebiet, aber diese Aufstellung könnt ihr als Grundlage für die Planung verwenden: 

 

Für das leichte Angeln („Light-Tackle“) ist eine kräftige Spinnrute mit einen Wurfgewicht (Wg) von 20-60g und einer Länge zwischen 2,40cm und 2,70cm geeignet. Dazu passt eine Spinnrolle der 3000er Größe, die aber unbedingt qualitativ hochwertig (am besten „salzwasserbeständig“) sein sollte. Unser Tipp: Etwas mehr auf die Rollenqualität achten, als auf die Rutenqualität (es sei denn ihr habt genug Geld für Beides…!). Bespult wird die Rolle mit einer geflochtenen Schnur (monofile Schnüre werden in Norwegen zumeist nicht verwendet - da gehen wir aber später noch genauer darauf ein) mit einer Tragkraft von 8-10kg. Wir beschreiben hier bewusst keine Hersteller und Schnurdurchmesser, da die Angaben doch erheblich variieren können. Wichtig ist, dass die Schnur möglichst rund geflochten und versiegelt ist. Dies hat den Vorteil der besseren Schnurverlegung auf der Rolle und die Geflochtene saugt sich nicht so voll mit Wasser. Zudem sollte die Schnur nach dem Bespulen wirklich fest auf dem Rollenkern sitzen (geflochtene Schnur neigt zum „durchrutschen“). Die Geflochtene sollte daher unterfüttert werden. Die Fixierung erfolgt entweder mit einem Klebeband auf dem Rollenkern oder, falls die Geflochtene nicht die ganze Spule ausfüllt, einfach den unteren Teil mit genügend monofiler Schnur auffüllen (das spart auch Geld, denn auf große Rollen passt auch eine große Menge an dünner Geflochtener). 


Für das „leichte Pilken“ (z.B. „Speedpilken“ auf Seelachs) eignen sich leichte Pilkruten mit einem Wurfgewicht von ca. 60 – 150g und einer Länge von 2,10cm bis 2,70cm. Dazu passt eine mittlere Meeres-Stationärrolle der 4000er oder 5000er Größe, zusammen mit einer Geflochtenen der Tragkraft 10-15 kg. Im Fachhandel gibt es mittlerweile viele gute Ruten, insbesondere für die Angelei auf Seelachs (Köhler), Pollack oder Dorsch. Einige Spezis greifen auch schon einmal auf eine meerestaugliche Baitcaster-Kombination zurück um den hohen Drillspaß eines Köhlerdrills an leichter Rute zu erleben. Auch hier gilt insbesondere wieder: Die Rolle muss den hohen Drillbelastungen standhalten können! 


Für das „schwere Pilken“ (z.B. auf Großdorsch oder Heilbutt) eigenen sich am Besten starke Pilkruten mit einem Wg: 150 – 300g, Bootsruten oder Inliner-Ruten mit einer 20lbs Testkurve. Diese Ruten halten schon eine Menge aus und bändigen auch mal einen etwas größeren Dorsch oder Heilbutt. Dazu passen große Meeres-Stationärrollen der 6000er, 7000er oder 8000er Größe oder z. B. auch kleinere Multirollen, die aber ebenfalls von guter Qualität sein sollten (auch hier gibt es viel Schrott auf dem Markt – geeignete Multis gehen etwa ab 100,-€ los). Als Schnur sollte eine Geflochtene mit 15-20 kg Tragkraft verwendet werden. Eine ruckfrei anlaufende Bremse mit ordentlicher Bremskraft ist gerade für die Angelei auf Heilbutt unverzichtbar. 


Für die Tiefsee (Leng, Lumb, Rotbarsch usw.) darf es bei der Ausrüstung noch eine Nummer größer werden. Schwere Bootsruten der 30lbs oder 50lbs Klasse und große Multirollen mit einer Schnurkapazität von mindestens 600 - 800m Geflochtener (Tragkraft über 20kg) sollten Standard sein. Da ihr je nach Region in großer Tiefe fischt, können z.B. bei entsprechender Drift und einer Angeltiefe von 200m auch mal locker über 400m Schnur draußen sein. Eine gute Übersetzung der Rolle ist daher Pflicht (es gibt auch 2-Gang Multis um je bei Bedarf die Übersetzung ändern zu können). Auch Elektro-Multirollen fischen viele Angler – an ihnen scheiden sich allerdings die Geister. Für manche Angler sind diese Rollen „verpönt“, allerdings sind sie insofern praktisch, da man mit ihnen ein schweres Grundblei problemlos aus großer Tiefe zügig hochholen kann. Wer schon einmal aus 300m Tiefe ein 1kg Grundblei zum Köderwechsel hochgepumpt hat, weiß was wir meinen…! Gerade für körperlich weniger belastbare Menschen sind Elektro-Multis vorteilhaft, allerdings schreckt der Preis doch viele Leute davon ab – Elektro-Multis gehen bei etwa 350,-€ los.    

Fazit, wie schon erwähnt: Eine gute Rolle ist wichtiger als eine gute Rute. Eine qualitativ hochwertige Rolle sichert den Dienst über die gesamte Zeit, auch wenn mal ein größerer Fisch die Rolle an ihre Grenzen bringt. Die beweglichen Teile sind anfällig für das Salzwasser, daher sollte man auf die Salzwasserbeständigkeit achten (z.B. versiegelte Kugellager). Nach dem Angeltag sollten die Ruten und Rollen immer kurz mit Süsswasser abgespült werden, dann hat das Salz keine Chance. Am Ende des Urlaubes nehmt die Rollen zuhause auseinander und fettet die beweglichen Teile neu ein. Pflegt ihr euer Gerät, dann habt ihr auch lange Freude daran!


Die Angelschnur sollte, wie oben erwähnt, eine geflochtene Schnur (multifil) sein, die möglichst rundgeflochten und mit einer versiegelten Oberfläche versehen ist. Rundgeflochten daher, damit die großen Mengen an Schnur, die immer auf und abgespult werden, auch wieder sauber auf dem Rollenkern verlegt werden können. Die Versiegelung wirkt gegen die Wasseraufnahme und sorgt für einen ruhigen Lauf.

Monofile Schnüre kommen nicht, oder nur ganz selten (z.B. beim Uferangeln) zum Einsatz. Sie dehnen sich stark und da ihr vergleichsweise in großen Tiefen angelt, kann der Anhieb bei einem Biss schon mal ins Leere gehen. Der Anhieb kommt nicht richtig bis zum Fisch durch weil die Schnur sich auf der gesamten Länge zu stark dehnt. Die Geflochtene dehnt sich dagegen nur sehr wenig und ihr habt immer den direkten Kontakt zum Fisch. Ein Nachteil hat die Geflochtene allerdings: Sie hat ein Problem mit scharfen Kanten (z.B. von Korallen) und Steinen. Sie ist nur wenig abriebfest und schnell durchgescheuert. Es empfiehlt sich daher vor der geflochtenen Hauptschnur eine monofile Vorfachschnur zu schalten. Sie ist abriebfester gegenüber den scharfen Kanten und scharfen Zähnen der Räuber. Zudem puffert das Vorfach die erste Flucht des Fisches nach einem Biss ab. Es gibt im Fachhandel spezielle Vorfachschnüre auf 50m Rollen in verschiedenen Stärken. Für das leichte Angeln empfiehlt es sich Vorfachstärken von 0,40 mm bis 0,70 mm zu verwenden. Beim Pilken sollte die Stärke bei 0,70 mm bis 0,90 mm liegen und beim Tiefseefischen zwischen 0,90 mm bis ca. 1,20 mm Durchmesser. Stahlvorfächer oder Hartmonovorfächer sind nicht geeignet obwohl in der Tiefe Räuber mit Mäulern voller scharfer Zähne lauern. Falls ihr damit in 200m Tiefe ein Hänger bekommt, kann ein Stahlvorfach nicht so schnell reißen wie die monofile Vorfachschnur. Ihr werdet euch wundern, welche Belastung eine dünne geflochtene Schnur aushalten kann. Ihr könnt das Boot damit verankern und wenn ihr Pech habt, reißt dann die Geflochtene weit oben und ihr verliert mal locker 150m Schnur. Knotet daher lieber ein 2m langes Vorfach aus Monofiler davor, mit etwas geringerer Tragkraft als die Hauptschnur. Wenn dazu noch einen Knoten mit einer Tragkraft von 80%-90% verwendet wird (siehe „Tipps u. Tricks“), wirkt das gleichzeitig als Sollbruchstelle und ihr verliert nur das Vorfach, aber nicht einen Teil der Hauptschnur.